Rahners transzendentale Anthropologie als theologische Hermeneutik für religiöse Lernprozesse
Viele Jugendliche erleben religiöse Sprache heute als fremd oder schwer zugänglich. Gleichzeitig beschäftigen sie Fragen nach Sinn, Freiheit, Verantwortung und Orientierung. Sie machen Erfahrungen, in denen sie über sich selbst und das unmittelbar Gegebene hinausfragen, ohne diese notwendigerweise religiös oder spirituell zu verstehen. An diesen Erfahrungen von Selbsttranszendenz setzt das Forschungsprojekt an.
Das Projekt knüpft damit an unser Forschungsprojekt Religionspädagogische Spiritualität – Studie II an. Während dort die Spiritualität von Berufsschullehrkräften und ihre Bedeutung für das Unterrichtsgeschehen im Mittelpunkt stehen, richtet sich der Blick hier auf Schülerinnen und Schüler und ihre Erfahrungen von Selbsttranszendenz in säkularen Bildungsräumen.
Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:
- Welche Formen von Selbsttranszendenz, Sinnsuche und Freiheit artikulieren Schülerinnen und Schüler?
- Wie lassen sich diese Erfahrungen beschreiben, ohne sie vorschnell religiös oder theologisch zu deuten?
- Inwiefern kann Karl Rahners transzendentale Anthropologie einen theologischen Deutungshorizont für diese Erfahrungen eröffnen?
- Welche Perspektiven ergeben sich daraus für religiöse Lernprozesse und den Religionsunterricht?
Methodisch folgt das Projekt einem qualitativ-explorativen und hermeneutischen Ansatz. In leitfadengestützten Interviews werden zunächst Erfahrungen und Ausdrucksformen von Schülerinnen und Schülern erhoben und qualitativ ausgewertet. Erst in einem weiteren Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse mit Karl Rahners transzendentaler Anthropologie in Beziehung gesetzt. Diese dient dabei nicht als vorausgesetztes Deutungsschema, sondern als hermeneutische Hypothese, deren Tragfähigkeit und Grenzen im Dialog mit den empirischen Befunden geprüft werden.
Ziel des Forschungsprojekts ist es, Perspektiven für einen Religionsunterricht zu entwickeln, der Erfahrungen von Selbsttranszendenz, Sinnsuche und Freiheit wahrnimmt und religionspädagogisch erschließt, ohne Schülerinnen und Schüler vorschnell religiös zu vereinnahmen.
Mitarbeitende
- Santiago Valencia López
- Klaus Kießling
- Stephan Pruchniewicz
